"Werden hier an den Pranger gestellt mit Sachen, die nicht wahr sind" - Stelse informiert über Sporthalle Rönsahl
„Nicht nur die Handwerker, sondern auch meine Mitarbeiter werden hier an den Pranger gestellt mit Sachen, die nicht wahr sind.“ In der Sitzung des Bauausschusses am Dienstag, 3. März, nahm Bürgermeister Olaf Stelse Bezug auf Vorwürfe, die im Sportausschuss rund um die Sporthalle Rönsahl geäußert wurden. Er widersprach SPD-Mann Marc Voswinkel deutlich.
Dieser hatte im Sportausschuss die Verwaltung scharf kritisiert. Insbesondere eine deutliche Überschreitung des Bauzeitplans sowie Wasserschäden im Laufe der Bauarbeiten ließen für Voswinkel den Schluss zu: „Die Nachteile für den Sport in Rönsahl sind massiv.“ Voswinkel selbst war in der Bauausschusssitzung nicht anwesend. „Da wurden im Vorfeld Emotionen freigesetzt“, blickte der Ausschussvorsitzende Peter Phillip (CDU) zurück.
Stelse zieht Vergleich zu Großprojekten
Bereits am Tag nach der Sportausschusssitzung hatte die Verwaltung auf LokalDirekt-Anfrage einen umfangreichen Fragenkatalog zu dem Thema beantwortet. Olaf Stelse bemühte sich auch im Ausschuss um eine sachliche Einordnung der Geschehnisse: „Wir haben hier weder einen Flughafen Berlin-Brandenburg noch Stuttgart 21. Dort wurden und werden Baukostensteigerungen zurecht angeprangert. Das ist bei uns nicht der Fall, es gab und wird keine Baukostensteigerung geben.“
Genau wie bei den Baukostensteigerungen zeichnete er auch beim Bauzeitplan ein deutlich positiveres Bild als Voswinkel: „Rechne ich von den Herbstferien fünf Monate weiter sind wir bei Ende März. Da sind wir noch nicht. Und stand jetzt kann ich sagen, dass wir Ende März halten können.“ Die Verzögerungen, die Voswinkel ansprach, sind laut Aussage Stelse bereits vor Baubeginn aufgetreten, das ganze Projekt musste von den Sommerferien in die Herbstferien verschoben werden. Vor Projektbeginn gab es keine Einschränkungen durch den Umbau. Zudem betont er: „Wir werden kurzum eine Halle in einem energetisch und nutzungsoptimierten Zustand haben.“
Stelse stellt sich vor Mitarbeiter
Deutlicher wurde Stelse, als es um Kinder ging, die auf dem Gerüst und auf dem Dach der Halle spielen sollen. „Das lag nicht daran, dass die Handwerker nicht ordentlich gearbeitet haben“, so Stelse. Er erklärte, dass bei der Stadt keine Hinweise in diese Richtung eingegangen seien und die Sicherung der Baustelle gemäß geltender Vorschriften erfolgt sei. Er betonte jedoch auch, das Jugendliche ab einem gewissen Alter „wenn sie wollen, da hoch kommen“, und auch nicht von einer verschlossenen Klappe aufgehalten werden. Den Vorwurf, das nicht ordentlich gearbeitet worden sei, wies er entschieden zurück: „Nicht nur die Handwerker, sondern auch meine Mitarbeiter werden hier an den Pranger gestellt mit Sachen, die nicht wahr sind.“
Politik ist gespaltener Meinung
SPD-Fraktionsvorsitzende Oliver Busch sieht einige Punkte nicht so entspannt wie der Bürgermeister: „Wenn die Vorwürfe mit vier Wochen Verzögerung aus zwei unterschiedlichen Fraktionen kommen, dann wird da nicht gar nichts sein. Zumindest wird da Rauch sein, ob es wirklich Feuer ist, müssen wir mal gucken.“ Clemens Wieland, Fraktionsvorsitzender der UWG, sprang dem Bürgermeister zur Seite: „Ich möchte die Ausführung von Herrn Stelse ausdrücklich unterstützen. Das Fass, das Marc Voswinkel da aufgemacht hat, fand ich absolut überzogen. Das war ein veralteter Informationsstand“, monierte er.
Peter-Christian Schröder hingegen hielt eher zur SPD. Der FWG-Fraktionsvorsitzende war der einzige Politiker, der sowohl im Sportausschuss als auch im Bauausschuss dabei war: „Marc Voswinkel saß neben mir, der hat sich wirklich in Rage geredet. Er bekam aber auch viel Zuspruch von Ralf Erlhöfer und von Bärbel Weber“, merkte Schröder an. Auf seine Initiative hin wurde das Thema auch auf die Tagesordnung des Bauausschusses gesetzt. Bereits am Tag nach der Sportausschusssitzung stellte er bei der Verwaltung einen entsprechenden Antrag.
Mängelrüge für falsche Fenster
Zudem kam Schröder auf die neuen Fenster der Sporthalle zu sprechen. Geplant waren Milchglasfenster, die einen Blick von außen auf die Hallennutzer verhindern sollten. Geliefert und eingebaut wurden jedoch klare Fenster. „Da frage ich mich warum die eigentlich eingebaut worden sind. Wenn falsche Fenster geliefert werden, dann lässt man die eigentlich zurückgehen“, sagte er. Schröder prangerte an, dass die nachträglich geplante Folierung keine dauerhafte Lösung sei und nach wenigen Jahren defekt sein werde.
Dem widersprach Simon Trambacz, Leiter des Gebäudemanagements. Er habe, sofort eine Mängelrüge ausgesprochen, , als der Fehler aufgefallen sei. Zudem sieht er die Folien in einem deutlich besseren Licht als Schröder: „Die Pestalozzischule ist vor zehn Jahren mit Folien ausgestattet worden, da haben wir noch nicht eine Folie austauschen müssen. Der Hersteller gibt zehn Jahre Garantie auf die Haltbarkeit und nach den zehn Jahren bekommen wir noch einen vollständigen Satz Folie zur Verfügung gestellt.“ Außerdem, so betonte er, biete die Folie einen zusätzlichen Splitterschutz bei den Fenstern.
Trambacz weiter: „Der ominöse Wasserschaden existiert nicht“ - auch ein solcher war von Marc Voswinkel angesprochen worden. Bereits vor den Sanierungen ist sei wenig Wasser durch die Decke gekommen. „Der Boden ist mittlerweile abgetrocknet und hat keinerlei auf den Wassereinbruch zurückzuführende Schäden“, erklärte der Fachbereichsleiter und betonte, dass dies nichts mit den Arbeiten zu tun habe. Im Zeitraum der Arbeiten seien einmalig etwa 20 Liter Wasser durch eine geöffnete Klappe in die Halle eingedrungen, auch diese haben laut Trambacz keine Schäden hinterlassen.
Hallenzeiten nicht abgerufen
Gegen Ende war lediglich das Problem offen, dass die Sportler des TSV Rönsahl aufgrund der Renovierung vermutlich kein Eltern-Kind-Turnen mehr anbieten kann, da die Gruppe zu einem anderen Verein abgewandert ist. Dazu erklärte Trambacz: „Es wurden Trainings- und Hallenzeiten in der Vierfelderhalle zur Verfügung gestellt. Diese wurden aber nicht abgerufen.“ Eine andere Alternative gab es direkt in dem Ortsteil jedoch nicht.
Der FDP-Fraktionsvorsitzende Armin Jung sprach - quasi zum Abschluss - der Verwaltung ein Lob aus: „Man kann auf allem rumhacken und alles negativ darstellen, aber gerade in dem Bereich waren die Informationen durch die Verwaltungen immer sehr gut“, lobte er die Kommunikation - nicht nur in den vergangenen Monaten, in denen die Sporthalle in den verschiedensten Gremien Thema war, sondern auch speziell in dieser Sitzung.